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Momo 2014

ein "richtiger" Bioladen


Manche sagen, Momo sei ein „richtiger Bioladen“. Ein was?

Trotz der räumlichen Größe, der riesigen Auswahl und der vielen Menschen, sei es warm hier. Anders als anderswo. Es rieche gut. Und vor allem, es sei immer gute Stimmung unter den Momos. Ein Widerspruch zum Klischee „Supermarkt“, welcher Momo zweifellos ist- wie sich Momo aber bewusst nicht nennt.
Diese Wärme ist für viele ein Grund zu Momo zu kommen. Für andere hingegen hat das etwas beängstigendes. Zu viel Nähe.
Dabei muss heute kein Kunde mehr mit uns Grundsatzdiskussionen über Umwelt oder Vollkorn führen; könnte es aber.
Momo versteht sich auch nach 31 Jahren noch als Alternative.
Alternative wozu oder wogegen eigentlich?

Früher gab es klare Fronten; zum Beispiel zwischen Ost-und Westblock, zwischen Kapitalismus und Sozialismus, zwischen einer bürgerlich-konservativen Gesellschaft und der Alternativbewegung. Heute liegen die Grenzen im Diffusen.

Was heißt den eigentlich „alternativ“?
Mein ehemaliger Deutschlehrer („Raoul, komm mal aus deiner linken Ecke an die Tafel“) bestand auf der Definition, dass alternativ stets nur den Unterschied zwischen zwei Dingen darstellen könne und somit auch nur im Singular zu benutzen sei. Das Leben möge ihn gestraft haben (kam ich doch stets nicht über ein „mangelhaft“ hinaus, tröste mich mit der Tatsache ein eigenes Deutsch entwickelt zu haben- Einstein hatte ja auch nur eine fünf in Mathe), denn es gibt sie, die Alternativ-Mehrzahl.
Diese Alternativen sind heutzutage aber anders besetzt, denn Naturkost hat sich, wenn nicht zum Mainstream entwickelt, so doch in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt.
Die Gründe für das Aufsuchen eines Bioladens sind vielfältig, denn Naturkost war und ist eine von vielen Ausdrucksformen einer wachsenden Masse Mensch, die ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge entwickelt. Es hat sich rumgesprochen dass Umweltverschmutzung und Industriefutter nicht ohne Folgen für die Gesundheit bleiben, dass Abfall nicht „weg“ ist, wenn er in der Tonne landet und dass Atomkraft keine saubere Energie ist.
Bewusstseinsschübe bewirkten Skandale wie BSE, als sich die Nahrungsmittelindustrie ethikfrei präsentierte, Zehntausende Nutztiere europaweit abschlachtete. Zu den aktuelleren traurigen Highlights zählen die Müllberge aus Plastik, im großen im Pazifik, im kleinen in heimischen Seen und Flüssen und damit auch in der Nahrungskette.

Das erklärt aber noch nicht, warum Momo ein „richtiger Bioladen“ unter der Vielzahl an Verkaufsstellen für Naturkost ist.

Die soziale Frage ist
„nicht von den ökologischen Herausforderungen zu trennen“

(Jutta Ditfurth)

Ursprünglich, die Älteren unter Euch werden sich erinnern ;-), war Momo ein selbstverwalteter Betrieb. Der Anspruch lautete in etwa, ohne Berücksichtigung von Geschlecht, Hautfarbe, Kultur, Bildung gleichberechtigt in einem Betrieb zu arbeiten der denen gehört, die darin arbeiten. So die Theorie.
In der Praxis verhielt es sich in etwa so wie mit der freien Liebe zu Flower-Power-Zeiten: Die sexuelle Freizügigkeit war nicht derart stark ausgeprägt wie es in konservativen Medien jener Zeit, in einer Mischung aus Faszination und Empörung, dargestellt wurde. Ebenso wenig waren die Momos alle gleich, trotz kollektiver Struktur und kommunistischer Tendenz, sondern eben genau wie befürchtet: unterschiedlichen Geschlechts, Hautfarbe, Kultur, Bildung.
Das Bewusstsein keimte, dass im Zentrum aller Alternativen bzw. ökologischer Zusammenhänge der Mensch steht.
Allerdings ist das ein Spagat, zwischen Ellenbogengesellschaft und sozialem Verhalten. Das bekommt niemand in die Wiege gelegt, sondern muss mühsam erarbeitet werden. Im Sandkasten mag es einfach sein: Wenn Du mir mein Förmchen klaust, gibt’s ein paar hinter die Löffel und die Sache ist geregelt.
Wenn es darum geht, in einen Betrieb gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, bedeutet das, Eigennutz und Rücksichtslosigkeit abzustellen. Was vollends nie funktionierte, teilweise auch berechtigt, nur damals in der falschen Reihenfolge. Denn ein Unternehmen kann nur so viel an sozialen Leistungen bringen, wie es dazu wirtschaftlich in der Lage ist.

Frei nach JFK:

frage nicht, was Dein Laden für dich tun kann,
sondern was Du für deinen Laden tun kannst


Mit der Besinnung auf diese Orientierung - der Laden ist der Arbeitgeber, die Menschen darin die Arbeitnehmer - hat Momo eine unikate Struktur entwickelt, die auch heute noch wächst.
Es gibt eine flache Hierarchie, grob umrissen: 2 Chefs, 25 Mitarbeiter, 5 Auszubildende.
Ob darunter jemand eine „höhere Position“ inne hat, ist allenfalls eine Frage des Talents, des Engagements, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und mit all dem einhergehend, des Wissensstands. Was sich allerdings nur geringfügig in einer Differenzierung der Entlohnung auswirkt.
Die Anforderungen sind den damaligen ähnlich. Qualifikation, Bildung, Schulabschluss, sozialer Status sind sekundäre Aspekte.
Soziale Kompetenz, also Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, für Kolleginnen und Kollegen einzustehen, das Wohl der Kunden und des Betriebs im Fokus zu haben, persönliche Interessen nach hinten zu stellen sind weit wichtigere Aspekte einer funktionierenden Gruppendynamik.

„Opportunismus ist zum Kotzen,
aber er ist kein Monopol der Politiker“

(Helmut Schmidt)

Was nicht bedeutet dass sich der Betrieb nicht auch an persönlichen besonderen Fähigkeiten sowie an persönlichen besonderen Umständen orientiere. Diese lassen sich mit der wachsenden Zahl der Mitarbeiter meist auch besser kompensieren.

Anders als heute, wäre in den 1980-er Jahren niemand auf die Idee gekommen, sich im Bioladen zu bewerben, wenn nicht wenigstens eine Affinität zu alternativen Lebensformen bestünde. Unterentwickelte Denkweisen, was die soziale Kompetenz betrifft, gibt es überall und schon immer. Vermutlich hatten aber jene Menschen, die sich als alternativ bezeichneten, von vorne herein ein intensiveres Zusammengehörigkeitsgefühl (gepaart mit gemeinsamen Feindbild).
Was die Arbeit in der Gruppe aber nicht vereinfachte. Eigenverantwortliches Arbeiten sowie die Fähigkeit, aus Talenten Kompetenzen zu entwickeln, muss erlernt werden und ist die Basis für ein Mitwirken im Betrieb Momo.

Erklärt das jetzt, warum Momo ein „richtiger Bioladen“ unter der Vielzahl an Verkaufsstellen für Naturkost ist?

Das Momo-Team dankt für Eure Treue und wünscht ein hervorragendes 2014 !
Dezember 2013
momo-raoul




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