momomaus


in Beuel, seit neunzehnhundertdreiundachtzig


Momo 2003

seit 1983 auf der Sonnenseite


Momo 2003, unsere Kunden-Info aus 2003. Unserem 20-Jahre-Momo-Jubiläumsjahr.
Das wirkt recht antiquiert, ist es auch, ist eben Geschichte, ein wesentlicher Bestandteil unseres Werdegangs.



20 JAHRE MOMO - UND KEIN ENDE IN SICHT!

Der "Momo Naturkost- und Umweltladen" wurde 1983 gegründet.

Zu damaliger Zeit war der Einkauf kontrolliert- biologischer Lebensmittel eher problembehaftet, wer sich gesund ernähren wollte hatte meist längere Wege zu gehen.

Ein Biolädchen gab`s in Beuel, dessen Inhaber auf der Suche nach einem Nachfolger war; und drei weitere Läden auf der linksrheinischen Seite. Ein "alternatives" Lokal gab es nicht in Beuel, also wer nicht "gutbürgerlich" seine Abende zu verbringen gedachte, musste schon aufs andere Ufer.

Dies bewog die damaligen Gründer und Gründerinnen von MOMO, allesamt Beueler Bürger und Bürgerinnen, zu dem Wagnis einen Bioladen zu eröffnen. Das Wagnis, ebenfalls ein Cafe zu eröffnen, scheiterte bereits in der Vorbereitung: Die beiden "Kommunen" aus dem Combahnviertel hatten sich bereits verkracht, bevor es richtig losging.

Nichtsdestotrotz gründete die verbleibende Gruppe eine alternative Institution, einen Treffpunkt für "Randgruppen": MOMO.

Der Name MOMO wurde in Anlehnung an das Buch von Michael Ende gewählt: Ein Treffpunkt der Ruhe, des Informationsaustauschs, der Kontrapunkt zu einer immer schneller werdenden Gesellschaft.
Und ein Ort der Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen Belangen: Atomausstieg, Friedensbewegung, Neofaschismus, Weltwirtschaft, Ausbeutung der sogenannten 3.Welt, Palästina, Staatsterrorismus und Isolationshaft in der BRD, § 218 und die Frauenbewegung, Volkszählung, ... , ... , ... ,
das waren die Themen die uns damals bewegten, und teilweise bewegen sie uns auch heute noch.

Eine Hälfte des ehemaligen Möbelgeschäftes wurde zum Bioladen, die zweite zum Infoladen ausgebaut. Ausstellungen über Nicaragua, die amerikanische Intervention in Mittelamerika, Infoveranstaltungen zu Atomkraft, Wackersdorf, Gorleben, Müllvermeidung, Neofaschismus und vieles mehr fand bei MOMO statt und bei den Beueler Bürgern Gehör. Dokumente belegen sogar das Interesse seitens der konservativ orientierten Medien im Bonner Raum.



Der Betrieb wurde von den bis zu 15 Mitgliedern, die meist neben dem Studium einen Teil Ihres Einkommens bei Momo erwirtschafteten, gleichberechtigt geleitet. Sämtliche Entscheidungen, inhaltliche wie alltägliche, wurden auf den wöchentlichen Treffen im Konsens erarbeitet, was nicht selten bis tief in die Nacht dauerte. So wie bei den Grünen, damals jedenfalls.

Unserer Wurzeln haben wir uns bis heute nicht entledigt: Eigenverantwortlichkeit, Respekt vor Umwelt und Mitmenschen, kritische Auseinandersetzung mit scheinbar Unumgänglichen gehören zum Alltag bei MOMO.

Dennoch, und das steht in keinem Widerspruch, sind wir mittlerweile zu einem auch betriebswirtschaftlich orientiertem Unternehmen herangewachsen, mit zehn aktiven MOMOs die ihren Unterhalt meist allein durch ihre Arbeit bei Momo verdienen.

Das war damals nicht möglich.
Der Verdienst orientierte sich am Machbaren, und schwankte zwischen 4 und 10 DM pro Stunde. Ohne Soziale Absicherung. Von Betriebswirtschaft hatte sowieso keine und keiner auch nur die geringste Ahnung.
Was wir den Kleinbauernkooperativen in Guatemala zugutekommen liessen, uns gönnten wir das nicht. Ende der 80er wurde uns klar, dass das kein Dauerzustand sein kann, und so suchten wir unser Glück in der Expansion.

Wir gründeten die "Tofumanufaktur Kassiopeia", belieferten Bonner und Kölner Bioläden und Grosshändler sowie einige vegetarische Restaurants mit Tofu, Kräutertofu, Tofubratlingen, Tofukuchen (der war lecker!) und Müslibällchen. Sagenhaft schweisstreibende, aber nicht minder befriedigende Arbeit.
Und wir eröffneten eine Filiale, "MOMO- Oberkassel" (heute "Himmel & Erde").

Doch Wunsch und Realität sind zwei verschiedene Dinge: Als uns eines Tages der realexistente Kapitalismus ereilte mussten wir uns entscheiden:
Weiterhin mit allerhöchstem Identifikationswert dem Projekt Momo beizuwohnen, ohne finanziellen Hintergrund und an der persönlichen Armutsgrenze im Hier und Jetzt agitieren, oder unsere Energien auf die Bereiche Naturkost und Umwelt zu konzentrieren, betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten zu kapieren, und uns damit eine Arbeitsstelle mit Inhalt und Perspektive zu schaffen: Gesundschrumpfen.

Heute konzentrieren wir uns auf die Bereiche Naturkost, Naturkosmetik und Umwelt, und das ist nicht wenig. Klar unterstützen wir den linken ASTA oder Initiativen, wie z.B. die AntiFa, sind aber nicht mehr selbst darin verwoben.
Schwerpunkte setzen wir bei Themen rund um die Ernährung: Qualität, Sortimentstiefe und –Auswahl, ..., BSE, MKS, Nitrofen, EHEC, Acrylamid, ..., Transport, Regionalität, Energie, ...

1994 erweiterten wir unser ökologisches Angebot um unseren Lastrad- Lieferservice. Das MOMObil tourt mittlerweile 3 Tage durch Beuel und Umgebung und erspart uns und unserer Umwelt so jede Menge Autodreck und -lärm. Durch den elektrischen Hilfsmotor, den wir seit 2001 benutzen, erreichen wir unsere Kundschaft auch in den höhergelegenen Randbezirken wie Hoholz und Gielgen. Das Gemüseabo und die Zusammenstellung der anderen Waren für die Lieferung sichert inzwischen einen Vollzeitarbeitsplatz.

1995 eröffnete Momo- Sabine, nach ihrer Ausbildung zur Ganzheitskosmetikerin, oberhalb des Bioladens ein ganzheitlich orientiertes Kosmetikstudio. Die ökologischen Verwöhnstunden, Massagen, Gesichtsbehandlungen und die qualifizierte Beratung vermissen alle, die das Glück hatten, in den leider nur 3 Jahren ihrer Geschäftstätigkeit von ihr verwöhnt zu werden.

Mittlerweile sind wir mit Büro und Küche auf die obere Etage ausgewichen, um so mehr Verkaufsraum zu schaffen, dennoch platzen wir aus allen Nähten. Unser künftiges Wachstum wird die Wände sprengen ... aber nicht die Inhalte.

Wir werden auch die kommenden 20 Jahre nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern auch Lebensqualität.

momo-raoul, im Februar 2003




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